Alltag während des zweiten Weltkrieges

Links und Ergänzungen zum Artikel im GP 1/2019

Das Gloggi-Archiv hat eine grosse Anzahl Rudel-, Gruppen-, Meute- und Stammbücher. Sie berichten vom Alltag in der jeweiligen Zeit und ermöglichen, dass wir uns auch heute noch ein Bild machen können, wie Pfadi vor Jahrzehnten ausgesehen hat. Hier Ausschnitte aus dem Zugsbuch Rotach und dem Rudelbuch Möve aus der Zeit um 1940.

Dem Motto «Jeden Tag eine gute Tag» wurde nachgelebt, hier als die Wolfsmeute für das Altersheim (Altersasyl zum Wäldli) singt:

Rudelbuch Möve, 1939

Nach Ausbruch des zweiten Weltkrieges waren dann «Kriegs­spie­le» sehr verbreitet, es scheint dabei häufig recht ruppig zugegangen sein.

Das Soldatische kommt in den Büchern immer wieder vor:

Zugsbuch Rotach, Frühling 1941

Gerne wurden auch militärische Wettkämpfe nachgespielt, wie hier die «Brigadewettkämpfe» in Arosa:

Rudelbuch Möve, 1940

Zum Alltag gehörte damals auch die «Anbauschlacht». In der Schweiz wurden alle zur Verfügung stehenden Flächen zur Nahrungsmittelproduktion genutzt. Zwei Führerinnen berichten von einem Wolfsführerinnentreffen in Bern, während dem sie auch auf den Münsterturm stiegen.

Bericht über die „Wolfsführertagung“, Sommer 1943

Pinsel und ich stiegen in Bern noch auf den Münsterturm. Und neben der tollen Aussicht sahen vor noch etwas glattes: Tomaten auf dem Münsterturm. Sogar da oben wird Anbau-geschlachtet. Alle Achtung!

Pferde gehörten zum alltäglichen Strassenbild. In dieser Zeichnung macht sich ein Wolf darüber lustig, dass sein Kollege sich vor einem Ross fürchtete:

Rudelbuch Möve, 1941

De Hecht het Angscht vor em Ross……

Auch auf der Quaibrücke ist neben dem Tram ganz selbstverständlich ein Pferd zu sehen. Die Winter waren kälter, 1940 trieben Eisschollen in der Limmat:

Rudelbuch Möve, 1940

Ein Wolf berichtet, wie das Rudel «Möve» beim Bellevue eine Eisplatte sah, die

die Limmat hinunterschwamm. Sie stiess an ein Badehaus und konnte nicht mehr weiter. Wir wären am liebsten auf die Eisplatte gesprungen, aber Susi hat es uns verboten.

Die Bahn hatte noch drei Klassen, wie ein eingeklebtes Billett dritter Klasse von Zürich-Enge nach Wädenswil zeigt.

Der Lebensmittelverein Zürich war noch nicht der Coop, aber die Verkäuferinnen waren schon damals nicht begeistert über Gaunerübungen in ihrem Laden.

Rudelbuch Möve, 1939

Im Rudelbuch wird beschrieben, dass die Wölfe Diebe in einen Laden verfolgten:

«Sie rannten in einen Laden und wir ihnen nach. Im Laden jagten uns die Leute fort».

Zugsbuch Rotach, 1942

Pünktlichkeit war wichtig, das Zuspätkommen einzelner wird immer wieder thematisiert. Hier beim Antreten des ganzen «Graustammes» im Albisgüetli, das zwei Wölfe zu ihrem Schrecken verpassten, weil ihr Tram zu spät ankam.

Oder in einem Lager, als eine «Schlafmütze» zu spät aufstand.

Zugsbuch Rotach, April 1943

Falls man mal an einer Übung fehlen musste, hatte man sich schriftlich zu entschuldigen

Rudelbuch Möve, 1941

Die Führerin bemerkt im Zugsbuch auch, dass eine solche Entschuldigung natürlich nicht gehe, eine Entschuldigung müsse folgendermassen aussehen:

Rudelbuch Möve, 1941

Viel heute Alltägliches war noch nicht selbstverständlich. Eine Fahrt mit einem Lift konnte noch ein Abenteuer sein, über das im Rudelbuch berichtet wurde.

Rudelbuch Möve, 1941

Hygiene ist ab und zu ein Thema, hier wird spasseshalber von Läusen im Zötteler geschrieben:

Rudelbuch Möve, 1941

Badewannen waren noch nicht verbreitet.

Rudelbuch Möve, 1940

Zu lesen ist von einer Übung, während der sich das ganze Wolfsrudel bei der «Rudelführerin» traf, um auf der Dachzinne zu spielen. Zum Abschluss fand dann eine Taufe in ihrer Badewanne statt: Der Täufling muss­te einen Löffel mit dem Mund aus dem Wasser fischen und erhielt danach seinen Namen.

Und trotz Rationierung (und wohl auch weil das Essen in Zeiten der Rationierung nicht einfach selbstverständlich war) wurde ein Nachmittag häufig mit einem feinen Zvieri abgeschlossen:

Rudelbuch Möve, Oktober 1940

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