Vom Ursprung der Abteilungen

Die Abteilungen spielen heute im Gloggi eine wichtige Rolle. Man gehört zum Hadlaub, zum Gryfensee, zur Lägern und wie sie alle heissen. Wie und wann sind sie eigentlich entstanden und wie kamen sie zu ihren Namen?

Bis 1941, als der Gloggi ziemlich stark am Wachsen war, war man einfach Mitglied im Gloggi, der «Pfadfinderabteilung Glockenhof» und in einem «Pfadizug», der «Wolfsmeute» oder dem «Roverbanner».

1941, der Gloggi zählte damals 800 Mitglieder, wurde dann eine Um­organisation vorgenom­men, die Pfadizüge wur­den auf vier «Stämme» aufgeteilt, den Vor­gängern der heutigen Abteilungen: Auf dem GP-Titelblatt von 1947 sind in der Windrose die Stäm­me (mit den römischen Zahlen) abgebildet, dazwischen die 1946 gegründeten PTA, der APV, das Roverbanner und die Wolfsmeute.

GP-Titelblatt 1947 mit den vier Stämmen und ihren Pfadizügen. I: Stamm: Attila, Normannen, Olymp, Wiking, II. Stamm: Friesen, Korinth, Sparta, Totila, III. Stamm: Bubenberg, Kim, Waldmann, Wulp, IV. Stamm: Inka, Mandach, Orion, Tell. Dazwischen Richtung Nordost: PTA, Südost: APV, Südwest: Roverbanner und Nordwest: Wolfsmeute

Die PTA («Pfadi trotz allem») sind heute eine eigene Gloggi-Abteilung. Ihre Anfänge im Balgrist wurden im GP 1947 folgendermassen geschildert:

Beschreibung einer PTA-Übung im GP 1947

Aus den vier Stämmen wurden 1950 fünf, die Züge Olymp und Dübelstein aus Wallisellen und Dübendorf bildeten nun den fünften Stamm.

1953 erhielten die Stämme Namen:

„Zu den so dargestellten Leuten gehören an einem Endchen auch wir noch; darum passen die Namen zu uns. (GP 1953)

Hadlaub und Gryfensee tragen also ihre Namen seit 1953. Johannes Hadlaub und der Landvogt von Greifensee, die Namensgeber kommen in Gottfried Kellers Zürcher Novellen vor, auch die anderen Namen stammen aus Werken von Gottfried Keller oder Conrad Ferdinand Meyer. Wichtig war damals, Namen zu finden mit einem Bezug zu Zürich, deren Träger Vorbildcharakter hatten. Im GP wurden damals auch Ausschnitte aus Werken von Keller und Meyer abgedruckt. Wenn man sie heute so liest, denkt man eher, nimmt man eigentlich nicht an, dass sie zur Identifikation mit den neuen Namen beitrugen…

Unterdessen waren 1958, angeregt von einem Pfadi, der auf einer Seemanns­schule in England gewesen war, die «Seepfad­finder» gegründet worden, ihr Zug «Odysseus» war nicht Teil eines Stam­mes. Rechts das erste Titelbild der Seepfadi-Zeitschrift «Akto».


1959 wurde das Gloggi-Abzeichen eingeführt, Tatokano, von Beruf Grafiker hatte ein Signet geschaffen, das in leicht abgeänderter Form bis heute Bestand hat.

Die nächste Reorganisation veränderte den Gloggi 1964 stark. Die bisherige Abteilung wurde zum Korps umgestaltet, das in Abtei­lungen unterteilt war. Die bisherigen Stämme wur­den nun zu Abteilungen mit den gleichen Namen, auch Wolfsmeuten und Roverrotten gehörten jetzt zu diesen Abteilungen, die alle ein eigenes Abzeichen hatten. Von aussen war die Zugehörigkeit zum Gloggi nur noch an den Gloggi-Socken erkennbar. Diese neue Organisation hat auch in Gruppenbüchern Spuren als «grosser Tag» hinterlassen, hier bei der Gruppe Voss aus dem Totila:

„Am 17. Dezember 1964 wurde die Abteilung Glockhof offiziell zum Cor ernannt.“
Auszug aus dem Gruppenbuch der Gruppe Voss (Totila)

Diskussionen hatte im Vorfeld ausgelöst, ob die Seepfadi eine eigene Abteilung sein sollten und ob wohl alle Abteilungen lebensfähig sein würden oder ob man besser nur vier oder fünf Abteilungen gründen solle. Die Aufteilung in sechs Abteilungen bewährte sich aber lange Jahre.

Die Abzeichen der sechs ursprünglichen Abteilungen:
Manesse, Hutten, Hadlaub, Salander, Gryfensee, Seepfadfind
er

Eine erste Änderung ergab sich, als der Salander sich ganz auf das Wehntal konzentierte und sich schliesslich 1981 mit der Mädchen­abteilung Hochwacht zu Salander-Hochwacht und bald darauf 1982 zur Abteilung Lägern zusammenschloss. Im GP wurde damals folgendermassen über das Gründungsweekend berichtet:

Gründung der Abteilung Lägern (GP 1982)

Etwas mehr als ein Jahr später wurde dann auch im Raum Volketswil und Schwerzenbach eine neue Abteilung gegründet. Die Pfadfin­derinnen­abteilung Mistral schloss sich am Chlausweekend mit den Gryfensee-Einheiten in dieser Region zur Abteilung Wildert, benannt nach einem schönen Waldteich, zusammen. In der Chronik wurde das so vermerkt:

Gründung der Abteilung Wildert (Chronik 1983)

Stark schrumpfende Mitgliederzahlen führten dann 1995 zu einem Zusammenschluss von Hadlaub und Manesse unter dem Namen Hadlaub. 2004 trat die Abteilung Manegg, die für eine eigene Region zu klein geworden war in den Gloggi ein, mit dem sie eine jahr­zehnte­lange gute Zusammenarbeit verband.  Die Pfadfinderinnen­abteilung Manegg war bereits 1925 gegründet worden, auf der Burgruine beim Uetliberg, deren Namen sie trägt.

Protokollauszug zur Aufnahme der Abteilung Manegg in den Bund Schweizerischer Pfadfinderinnen 1926
Ankündigung der „Integration der Abteilung Manegg“ in den Gloggi (GP 2004)

2007 wurde die Abteilung Hutten aufgelöst, ihr Name wurde noch einige Jahre von den «Pfadi trotz allem» als Abteilung PTA Hutten weitergetragen – heute nennt sich diese kleinste Gloggi-Abteilung wieder «PTA Gloggi» und blickt auf eine Geschichte zurück, die 1946 begann.

Die beiden jüngsten Abteilungen im Gloggi sind also gleichzeitig die beiden, die ihren Namen schon am längsten tragen.

Einkleidungen durch die Jahrzehnte

Beim Durchblättern der GP der letzten Jahre fällt mir ein Bericht über ein Pfingstlager auf, das 2014 mit dem Thema «Catch the Hipster» stattfand. Auch von Masters of Hardcore, einem Wald-Starbucks und angreifenden Ninjas wird erzählt. Da hätten frühere Pfadigenerationen wohl nur «Bahnhof» verstanden.

Pfila 14 - catch the hipster
GP 3/ 2014, S. 8 (Lagerbericht Gryfensee)

Welche Einkleidungen wurden für die verschiedenen Anlässe und Lager in früheren Jahrzehnten gewählt?

In der Ideensammlung der Pfadibewegung Schweiz werden 773 Ideen von A wie «Abenteuer der starken Wanja» bis Z wie «Zwerge» aufgelistet. Vieles ist zeitlos und wurde durch all die Jahrzehnte der Gloggi-Geschichte immer wieder gewählt. Schatzsuchen, Wilder Westen, Römer, Zirkus, Eidgenossen, Ritter und Raubritter, Völkertreffen, Polarexpeditionen, Spione, Gauner, Gespenster und bei den Wölfen natürlich der Dschungel tauchen in Programmen und Erlebnisberichten regelmässig auf.  Hier eine Zirkusaufführung aus dem Jahr 1937:

Ein Wolf führt zwei Kameraden als Zirkuspferde
Zirkus (Rudelbuch Specht 1937)

Andere Einkleidungen waren stärker von der Zeit, in der der Anlass stattfand, abhängig. In den 1930er-und 1940er-Jahren wurde in der Pfadistufe häufig gar keine Einkleidung gewählt, im Vordergrund stand der persönliche Fortschritt, vor allem das Weiterkommen in der Pfaditechnik und die «Bildung des Charakters». So wurden an den «Übungen» z.B. Kartenlesen, Morsen oder Erste Hilfe geübt.

Auszug aus Übungsplanung
Der Venner hat Unsicherheiten festgestellt und stellt sein Programm entsprechend zusammen. (Akten Olymp 1945)

Auf das «Übungsprogramm» folgte nach dem Anlass immer auch ein vom Venner verfasster «Übungsrapport». Der Zugsführer fügte dem jeweils einen Kommentar bei. Hier verglich er die Indianereinkleidung mit einer «Kleinkinderschule» und mahnte, dass vor allem die Charaktererziehung wichtig sei:

Auszug aus Übungsrapport
(Akten Olymp 1945)
Kartenlesen, Samariter, Morsen
Pfaditechnik (div. Gruppenbücher)

An solchen «Übungen» machte man oft Kleingruppen, die dasselbe lernen sollten, z.B. die «P-Kandidaten», also diejenigen Pfadi, die bald die Pfadfinder­prüfung ablegen wollten. Manchmal bot sich eine Einkleidung an, wie hier «Fliegerunfall im Sagentobel»:

Auszug aus Übungsprogramm
Fliegerunfall im Sagentobel (Akten Olymp, 1934)

Geländespiele wurden «Kriegspiele» genannt und auch in tatsächliches Kriegsgeschehen eingekleidet, wie hier in den finnisch-russischen Winterkrieg 1939/40:

Auszug aus Rudelbuch
Finnisch-russicher Winterkrieg 1939/40 (Rudelbuch Star, Februar 1940)
Finnische Fahne mit Panzer
Rudelbuch Star, Februar 1940

Der zweite Weltkrieg beschäftigte die Pfadi natürlich stark, was auch Auswirkungen auf die Wahl der Einkleidungen hatte. In den Gruppenbüchern werden Kriegsspiele realistisch wiedergegebenen und auch von «Sondermeldungen» werden nachgespielt:

Zeichungen aus einem Gruppenbuch
Sondermeldung des «Reichssenders Leopardikon» und Zeichnung eines Kriegsspiels (Gruppenbuch Leopard, 2. Weltkrieg)

Das Weltgeschehen diente auch nach dem zweiten Weltkrieg für Einkleidungen, z.B. die Konflikte vor der Gründung des Staates Israels.

Übungsprogramm
(Akten Olymp 1947)

In den 1950er-Jahren finden sich auch wieder stärker fantasiebetonte Einkleidungen, wie der «Bärenkönig»

Bärenkönig aus Gruppenbuch
Der beleuchtete Bärenkönig (Gruppenbuch Leopard 1956)

Auch Radrennen wie die Tour de Suisse waren während den Zeiten Ferdy Küblers und danach lange eine beliebte Einkleidung.

Velofahrer Flitz in Aktion
(Gruppenbuch Leopard 1958)

Afrika mit den Gründungen neuer Staaten nach der Kolonialisation war um 1960 ein Thema, die Pfadi spielten Entwicklungshelfer in Gabun und Dahomey. (Schwarze wurden damals in der deutschen Sprache neutral als «Neger» bezeichnet, der Begriff diente auch als Pfadiname. Zum Begriff vgl. Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus)

Auszug aus Übungsprogramm
Entwicklungshilfe, Gruppe Mungo, 1964

Der Kalte Krieg wurde ebenfalls für Einkleidungen genutzt. Kundschaften auf dem Flughafen Kloten wurden z.B. im Auftrag einer «russischen Atomkommission» vorgenommen.

Lagebericht, wo Bombe abgeworfen werden könnte
Bombenabwurf, Gruppe Bison, 1960er Jahre

Thema waren auch die Ölfelder, um die in dieser Einkleidung Europäer und Araber kämpften:

Einkleidungsbeschreibung "Bohrtürme"
Bohrturm-Übung, Gruppe Mungo, 1964

Rund um die Mondlandung 1969 waren Raumfahrer, Astronauten, Space usw. beliebte Themen:

Thema "Raumfahrer/ Astronauten"
Thema "Space"

Auch Roboter wurden, wie hier an einem Georgstag zum Thema.

Auszug aus Gruppenbuch mit Roboter
Gruppenbuch Bison, 1976

Das Kontrastprogramm dazu waren die Hippies. Flower Power hatte schon auf dem Titel des GP 1970 Spuren hinterlassen

GP 1970
GP 1970

und Hippie-Lager waren auch später beliebt – ebenso wie friedliche Lager in einer eigenen Welt «this is our world, this is our place».

Auszug aus Lagerzeitung
Lagerzeitung Korinth 1978

Die 1980er-Jahre brachten viele Einkleidungen, die sich rund um das Thema «Phantasie» drehten, ein Lagerthema war z.B. «Mir sind Phantasier»

phantasievoll geschminkte Gesichter
Wolfsstufe Manesse und GP 1980

Aber auch das Tagesgeschehen floss weiterhin in den Pfadibetrieb ein. Zum Teil wurden Forscherweekends durchgeführt – gegessen hat man dann natürlich wie bei Laborversuchen nur mit Gummihandschuhen. In einer anderen Einkleidung trafen Wurstgierige auf Vegetarier:

Auszug aus Programm
Wurstgierige und Vegetarier, Akten Wiking 1991

Ende der 1990er-Jahren wurden Interviews zur Affäre von Bill Clinton und zu Natels durchgeführt:

Resultate einer Umfrage
Interviews in Zürich, Akten Theben, 1998

Auch Themen wie Radioaktivität wurden aufgenommen, ein Pfadistamm machte sich im Sommerlager auf die Suche nach radioaktivem Material:

Auf der Suche nach radioaktivem Material
Mit Dr. Snuggles auf der Suche nach radiaktivem Material (Carthago-Sola 1999)

Um 2000 drehte sich vieles wieder um Kreativität, z.B. in «Kreativisten­weekends» (die dritte Stufe der Abteilung Hutten nannte sich auch so):

Kreativistenweekend
Kreativistenweekend 3. Stufe Hutten, GP 3/2004

Danach findet man Einkleidungen wie «Casting-Shows» und eben «Catch the Hipster» neben Themen wie Zirkus, die durch all die Jahrzehnte immer wieder vorkommen.

Zirkus 2016
Ab in den Zirkus (Wildert, GP 2/2016)

Häuslicher Ratgeber – 1

1963 wurde im «Goldenen Pfeil» eine nicht ganz ernst gemeinte Rubrik «Häuslicher Ratgeber für bedrängte Herzen» eingeführt. Wir bringen in lockerer Reihenfolge einige Ausschnitte.

GP 6/1963, S. 110

Dazu ist zu sagen, dass der Gloggi am Geldsammeln für sein zweites Pfadiheim, das Skihaus Parmort war und dass es immer wieder Klagen gab, im «Nottäschli» würde viel Überflüssiges mitgeschleppt.

Abteilungsbesammlungen

Links und Ergänzungen zum Artikel im GP 4/2018

Übertritt von den Wölfen zu den Pfadi
(Gloggi-Archiv P04-09-30)

Im Gloggi-Archiv schlummern Drucksachen, Fotos, Gegenstände aus 106 Jahren Gloggi. Beim Durchsehen werden alte Erinnerungen wieder wach. So bin ich auf Fotos von einer «Abteilungsversammlung» 1958 auf der Dreiwiesen-Lichtung gestossen und erinnerte mich dabei an den Gloggi in den 1960er-Jahren, an die damaligen Waldweihnachten, die mir als Wolf grossen Eindruck gemacht hatten.

Bis 1965 war der Gloggi eine Abteilung. Alle anderen Abteilungen im Kanton Zürich waren aber sehr viel kleiner und hatten sich zu Korps zusammengeschlossen. Eine Neuorganisation drängte sich auf – aus einer Abteilung wurden sechs, die danach zusammen das Korps Glockenhof bildeten.

Vor dieser Reorganisation identifizierten sich Wölfe, Pfadi und Rover stark mit ihrem Gloggi. Auf dem Hemd war des GP-Abzeichen aufgenäht, zu den kurzen Hosen oder dem Jupe trug man Gloggi-Socken. Die Zusammengehörigkeit wurde unter anderem an den Abteilungsbesammlungen sichtbar. Sie fanden zwei Mal jährlich statt, nach den Wettkämpfen am Georgstag (dem heutigen Gloggi-Tag) im Hof des Landesmuseums und vor der Waldweihnacht, meist am Zürichberg in der Waldlichtung «Dreiwiesen».


Raupe hat im GP 1/2006 einen Artikel über den «Georgstag einst» geschrieben (PDF). Im GP 4/1951 findet sich ein Artikel über den Rover-Georgstag, der im GP 4/2003 nochmals abgedruckt wurde (PDF).


Wir – die spätere Abteilung Gryfensee – besammelten uns an Waldweihnachten jeweils bei der Zwickyfabrik zwischen Wallisellen und Dübendorf. Von dort aus wanderten wir durch das bis auf wenige Bauernhöfe und den kleinen Weiler Stettbach unbebaute Gebiet in die Dreiwiesen. Besonders eindrücklich war das 1965, als sich in der Schweiz die Maul- und Klauenseuche ausgebreitet hatte und wir mehrmals mit Desinfektionsmittel getränkte Sägemehlstreifen passieren mussten, damit das Virus nicht durch unsere Schuhe von Hof zu Hof verschleppt werden konnte.


Die SRF Musigwälle hat 2015 eine Reportage aus dem Jahr 1965 wiederholt. In der Aargauer Zeitung erinnert sich ein Bezirkstierarzt zurück. Hier ist auch ein Youtube-Video aus dem SRF-Archiv über Nochtschlachtungen eingefügt.


Auf der Waldlichtung Dreiweisen trafen wir dann die anderen Stämme aus der Stadt und stellten uns mit unseren Wimpeln und der Korpsfahne auf der Lichtung auf. Die Abteilungsleitung nahm «Beförderungen» vor, wer einen Leiterkurs bestanden hatte und aufgerufen wurde, schrie aus mir unerfindlichen Gründen laut «hier» und rannte nach vorne, machte den Pfadi- oder Wolfsgruss und bekam dann mit einem kräftigen Händedruck mit der linken Hand Pfeifenschnur und Abzeichen.

Beförderungen an der Abteilungsbesammlung in den Dreiwiesen 1958 (Gloggi-Archiv P04-09-25u28)

Einmal wurde ein Abteilungsleiter verabschiedet und erhielt eine Ständerlampe mit allen Abzeichen. Und vor allem fanden auch die Übertritte von den Wölfen zu den Pfadi statt. Alle, die einen Wimpel hatte, bildeten einen Tunnel. Wer aufgerufen wurde, rannte mit dem Wolfsgruss in den Tunnel hinein und wurde am anderen Ende vom neuen Pfadileiter («Pfadiführer», sagten wir damals) empfangen und erhielt die neue Krawatte mit in den Farben der neuen Einheit. Wenn dann die frischgebackenen Pfadi angerannt kamen, brüllte der ganze Stamm (der damals wohl noch Zug hiess) den Stammruf und hiess die neuen Mitglieder willkommen.

Unterdessen war es fast dunkel geworden und auf dem Rückweg feierten wir im Wald Waldweihnachten. Einige Leiter hatten die mitgebrachten Kerzen eingesammelt und im Wald einen Baum geschmückt, der Meuteleiter erzählt eine weihnachtliche Geschichte und wir sangen ein paar Weihnachtslieder. Früher habe jeweils ein Pfarrer etwas erzählt, sagte man mir, aber der Spatz könne das ja mindestens so gut.

Waldweihnacht 1958 (Gloggi-Archiv P04-09-42u46)

Nacher ging es zurück über die dunklen Feldwege zur Zwicky-Fabrik, wo uns unsere Eltern erwarteten.

Wenn ich heute mit der S-Bahn Richtung Bahnhof Stettbach fahre, Autobahn, Bahnlinien, Einkaufszentren und Wohnsiedlungen sehe, fällt es mir schwer, mir vorzustellen, dass wir hier an Weihnachten jeweils durch eine völlig dunkle Gegend gewandert sind.


Map.geo.admin.ch ermöglicht mit Karten aus verschiedenen Jahrzehnten einen Zeitvergleich:


Wer hat noch alte Gruppenbücher, Stammzeitungen, Urkunden, Programme usw.? Wir nehmen sie gerne ins Gloggi-Archiv auf: Mail genügt: archiv@gloggi.ch