100 Jahre Pfadi Manegg

Die Abteilung Manegg feiert dieses Jahr ihren 100. Geburtstag. Sie ist die älteste noch bestehende Mädchenpfadi der Deutschschweiz. Zahlreiche Dokumente im Manegg-Archiv – Gruppenbücher, Protokolle, Fotoalben, Dias oder Zeitungsausschnitte – zeugen von 100 Jahren Frauenpower.

Hier ein paar Einblicke und Fundstücke:

Internationale Beziehungen spielten in der Mädchenpfadi stets eine wichtige Rolle. Dies lag nicht zuletzt an Olave Baden Powell, der Frau von Bi-Pi, die mehrmals in die Schweiz reiste und auch die Manegg besuchte. Mit ihrer fröhlichen und herzlichen Art beeindruckte sie viele.

Teeparty mit Lady Bi-Pi (mit Hut) in der Kafega. Links im Bild Mops, die Abteilungsleiterin der Manegg, 1946
1949 bestaunte Lady Bi-Pi das neu errichtete Manegg-Huus in Hedingen.

Das erste Weltzentrum der Pfadfinderinnen, das Our Chalet in Adelboden, wurde 1932 eingeweiht. Lady Bi-Pi und viele Manegglerinnen waren dabei. Die Manegg blieb über Jahrzehnte eng verbunden mit dem Weltzentrum. Zahlreiche Leiterinnen verbrachten ihre Winterferien dort als Helferinnen und Skilehrerinnen.

In den 1950er-Jahren übernahm mit Gret Spetzler v/o Schnagg sogar eine Manegglerin die Leitung des Hauses.

20-Jahr-Feier des Our Chalet in Adelboden, 1952

Vom Einsatz der Manegg-Pfadis nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs berichtet dieser Artikel im Tages-Anzeiger vom 13. September 1939:

1940 nahmen rund 250 Manegglerinnen an einem viertägigen Samariterkurs des Territorial-Kommandos 6 teil. Im Kriegsfall sollten sie als spezielle Samariter-Einheit für den Sanitätsdienst eingesetzt werden

Besonders eindrücklich sind die zahlreichen sorgfältig gestalteten Gruppen- und Erinnerungsbücher. Als Beispiel seht ihr hier einen Bericht von Bärli über eine Aktivität des 6. Zuges im Jahr 1938.

Zum 50-Jahr-Jubiläum 1975 veranstaltete die Manegg eine grosse Chilbi auf der Landiwiese.

Das Korps Glockenhof schenkte der Abteilung eine Kuhglocke, überreicht von Korpsleiter Peter Stünzi v/o Riss. Dies ist in Fotografien und einem Zeitungsbericht belegt – die Glocke selber hat den Weg ins Archiv bisher nicht gefunden

Zweimal zierten Manegglerinnen in Uniform Titelseiten einer Zeitschrift: 1943 das Wochenblatt «La semaine de la femme»

und 1961 Ringiers «Blatt für Alle»:

Möchtest du mehr über die Geschichte der Manegg erfahren?

Zum Jubiläumsfest am 6. September 2025 erscheint ein Magazin mit vielen Abbildungen und unterhaltsamen Texten. Dieses kann für 10.- bestellt werden (Mail an archiv@manegg.ch oder über manegg.ch/100-jahre-pfadi-manegg).

Calma, Archivgruppe

Bahren in der Pfadi

Vor 25 Jahren wurde die Archivgruppe gegründet. Wir feierten das Jubiläum mit einem Posten am Gloggi-Tag. Dort erzählte der Gloggi-Geist unter anderem davon, wie die Pfadi früher mit Bahren Verletzte rasend schnell über Stock und Stein transportiert hätten. Die Pfadi bauten am Posten selbst eine Bahre und rannten mit einem «Verletzten» über einen Parcours. Das sah dann nicht genau so aus, wie vor 80 Jahren auf der Allmend Brunau, aber doch so ähnlich:

Gruppenbuch Leopard/ Wiking 1953-1958

Aber wie kamen die Bahren in die Pfadi? Und rannte man mit Verletzten wirklich durch die Gegend? Das muss sie ja ganz schön durchgeschüttelt haben. Gruppenbücher und andere Unterlagen im Gloggi-Archiv geben Auskunft:

Der Gründer der Pfadi, Bi-Pi be­schrieb 1908 in seinem ersten Buch für Pfadi, «Scouting for Boys», dass Pfadi um «allzeit bereit» zu sein, natürlich auch in Erster Hilfe ausgebildet sein müssten. (Text und Bilder der ursprünglichen Ausgabe von 1908 sind im Projekt Gutenberg verfügbar). Er machte gerade ein Beispiel von sich selbst und zeichnete, wie er behandelt worden war, als er sich in Indien die Schulter ausgerenkt hatte. In diesem Buch gab er auch Anleitungen für den Bahrenbau.

Bi-Pis Schulter wird in Indien wieder eingerenkt (aus Scouting for Boys, 1908)

Verwundetentransporte mit Bahren wurden bald so etwas wie ein Markenzeichen der Pfadi. Als der CVJM 1913 Werbung für die Pfadi mach­te, erschien in seiner Zeitschrift «Die Glocke» auch ein Bild von Pfadi, die Verwundete trans­por­tieren (links).

„Die Glocke“, 1913 und Chocolat Tobler, 1928

Pfadi beim Verwun­deten­trans­port sieht man auch auf den Sammel­marken (damals so eine Art Panini-Bilder) der Schoggifabrik Tobler in den 1920er-Jahren (rechts).

Das Fixieren von gebro­chenen Knochen und der Transport von Verletzten bis zur nächsten Strasse wurden regelmässig geübt. Auch bei Wettkämpfen mussten die Gruppen Bahren bauen und «Verwundete» möglichst schnell transportieren.

Dass Bahren manchmal gebraucht wurden, zeigt ein Gruppenbuch der „Hunnen“ von 1932. Bei einem Pfadiskirennen war auch eine Schanze eingebaut worden, neben der zwei Pfadi für den Fall der Fälle mit einer Bahre warteten. Zeichnungen in Gruppenbüchern zeigen, dass sich die Pfadi beim Üben auch gut amüsierten

Skilagerbuch „Hunnen“ 1932/33

Gruppenbuch Voss 1936/37

Meistens brauchte man ja die erworbenen Kenntnisse zum Glück nicht, es waren eher Blasen an den Füssen behandeln

Oder je nachdem musste auch einmal ein blaues Auge behandelt werden. In Gruppenbüchern ist auch von Übelkeit, die in Herbstlagern herrschte und Kranken mit Fieber zu lesen.

Gruppenbuch Voss 1936/37

Irgendwann verselbständigten sich dann die Wettbewerbe, welche Gruppe wohl am besten in Erster Hilfe sei. Man rannte nicht nur mit Bahren um die Wette, sondern liess die «Verwundeten» auch selbst rennen, führte «Samariterstafetten» durch. Ich kann mich noch gut erinnern, wie wir in den 1960er-Jahren mit einem eingeschienten Bein und einem fixierten Arm Hindernisläufe absolvierten.

Samariterstafette 1942

Dass die zu Übungswecken auf den Bahren Transportierten manchmal abstiegen, wenn sie zu sehr durchgerüttelt wurden, ist in einem Zugsbuch der Manegg von 1964 beschrieben:

«Schliesslich wurde ich auf eine Bahre gelegt und solange geschüttelt und gerüttelt, bis ich erklärte, dass ich lieber heim laufe, statt getragen zu werden» beschreibt eine Pfadi hier.

Bahrenbau und -transporte wurden lange in den verschiedenen Auflagen der Pfaditechnik beschrieben und in die Hefte für die verschiedenen Prüfungen eingetragen.

Unterdessen ist der Bau von Tragbahren aus der Pfaditechnik verschwunden – und man macht vermutlich auch keine Wettrennen mit Bahren mehr. Aber Spass hat’s gemacht, beides am Gloggi-Tag nochmals aufleben zu lassen.