Walter Wyss v/o Pieps und Vreni Wyss

Ein Jahr ist es nun her, dass wir von Walter Wyss v/o Pieps Abschied genommen haben, 2021 war seine Frau, Vreni Wyss gestorben. Pieps und Vreni haben beide in vorbildlicher Art und Weise unzählige Stunden ihres Lebens dem Gloggi gewidmet.

Pieps war 1952 bis 1954 Wolf im Erlach. Nach dem Übertritt in die Pfadi war er 1954 bis 1960 im Korinth aktiv und anschliessend bis 1963 im Wiking. Als Wiking-Leiter war er derjenige, der 1961 ein Sommerlager am Chapfensee unterhalb von Parmort durchführte und so Kontakt zur Alpgenossenschaft Mels knüpfte. Schon ein Jahr später, am 50. Geburtstag des Gloggi, konnte dort der Grundstein zum Pfadiheim Parmort gelegt werden.

Pieps (ganz rechts) im Wiking-Sola 1961 unterhalb Parmort. Parmort heute

Nach der Zeit im Wiking war Pieps als «Rover-Feldmeister» bei den Rovern tätig, Beawa hiess seine Rotte. Als kreativer und blendender Organisator und genauer Verwalter führte er ab 1964 die Adressenkontrolle im Korps und wurde 1968  «Quartiermeister», also Chef des Admin-Teams im Korpsstab. 1970, noch während seiner Zeit als Quartiermeister, übernahm Pieps das Amt des Kassiers im Heimverein.

Kassier ist allerdings gewaltig untertrieben. Pieps führte Protokolle, verhandelte mit Behörden und war – bald zusammen mit seiner Frau Vreni – während 18 Jahren für die Heimreservation zuständig. 23 Jahre, bis 1993 war Pieps aktives Mitglied im Vorstand des Heimvereins.

Ein Pfadiheim zu reservieren war in den Zeiten vor dem Internet immer mit sehr viel telefonieren verbunden. Wer ein Gloggiheim reservieren wollte, konnte immerhin sicher sein, dass jemand abnahm: im GP standen sowohl die private Telefonnummer wie die Geschäftsnummer von Pieps. Zu Hause nahm seine Frau Vreni das Telefon ab, im Geschäft meist er.

Dass es zu wenig Pfadiheime gab, merkten Vreni und Pieps fast zu jeder Tages- und Nachtzeit am Telefon. Das Bedürfnis nach einem dritten Gloggiheim war also eindeutig vorhanden und der Heimvereinvorstand begann sich auf die Suche zu machen. Es war Vreni Wyss (wir nannten sie lange einfach «Frau Pieps»), die sich auf der Suche nach einem Heim buchstäblich den Finger wundtelefonierte (Telefone hatten noch eine Wählscheibe) und 1973 schliesslich herausfand, dass die Bläsimühle zum Verkauf stand. (Die ganze Geschichte findet sich hier).

Ein Pfadiheim zu reservieren war in den Zeiten vor dem Internet immer mit sehr viel telefonieren verbunden. Wer ein Gloggiheim reservieren wollte, konnte immerhin sicher sein, dass jemand abnahm: im GP standen sowohl die private Telefonnummer wie die Geschäftsnummer von Pieps. Zu Hause nahm seine Frau Vreni das Telefon ab, im Geschäft meist er.

Dass es zu wenig Pfadiheime gab, merkten Vreni und Pieps fast zu jeder Tages- und Nachtzeit am Telefon. Das Bedürfnis nach einem dritten Gloggiheim war also eindeutig vorhanden und der Heimvereinvorstand begann sich auf die Suche zu machen. Es war Vreni Wyss (wir nannten sie lange einfach «Frau Pieps»), die sich auf der Suche nach einem Heim buchstäblich den Finger wundtelefonierte (Telefone hatten noch eine Wählscheibe) und 1973 schliesslich herausfand, dass die Bläsimühle zum Verkauf stand.

Mit Pieps in der Finanzkommission und der sehr tatkräftigen Mithilfe aller Gloggianer beim Spendensammeln und danach bei der Renovation konnte die Bläsimühle erworben und 1974 eingeweiht werden.

Mit Pieps in der Finanzkommission und der sehr tatkräftigen Mithilfe aller Gloggianer beim Spendensammeln und danach bei der Renovation konnte die Bläsimühle erworben und 1974 eingeweiht werden.

Die Bläsimühle am Eröffnungstag 1974 und Pieps bei seiner Ansprache

In jenen Jahren spielte Pieps zum Ausgleich neben Familie, Beruf und Heimverein in der dritten Mannschaft des Handballclubs Pfadi Glockenhof…

Die Arbeit im Heimverein wurde mit drei Heimen nicht weniger. Vreni und Pieps engagierten sich weiter unermüdlich. Vreni hielt in einer Schnitzelbank (Bild) am 50. Geburtstag des Heimvereins 1988 scherzhaft fest, was im Vorstand so diskutiert wurde:

Pieps, tüemer es nöis Heim uf
weisch als Ersatz für es eiges Huus
Du chasch doch so guet organisiere
und s Vreni tuet gern telefoniere

Das vierte Heim, Alt-Uetliberg, war 1985 eingeweiht worden und brachte natürlich zusätzliche Arbeit mit sich.

Alt-Uetliberg 1984, beim Erwerb durch den Gloggi. Pieps bei der Einweihung

1988 gaben Vreni und Pieps die Heimreservation dann weiter und 1993 trat Pieps aus dem Heimvereinsvorstand zurück. Er bekam zum Abschied ein Bläsimühlemodell, um es in seine Modelleisenbahnanlage einzubauen. Dem Gloggi blieben Vreni und Pieps weiter verbunden.

Pieps und seine Söhne haben daran gedacht, bis anhin Aufbewahrtes aus seiner Pfadizeit bei seinem Umzug ins Altersheim dem Gloggiarchiv zu schenken. So kann auch das schöne Bläsimühlemodell immer wieder an einem Anlass ausgestellt werden.

Wir sind Vreni und Pieps sehr dankbar für alles, was sie für den Gloggi gemacht haben. Und wir wissen, dass Pfadi ohne die vielen Menschen, die sich wie sie irgendwo und irgendwie dafür engagieren, nicht möglich wäre. Vielen Dank euch allen!

Die Arbeit für unsere Heime geht weiter. Momentan hat die Bläsimühle mit ihrer 360-jährigen Geschichte dringenden Renovationsbedarf. Nähere Informationen (und natürlich das Spendenkonto) unter
www.heimverein-gloggi.ch/projekt-blaesimuehle

100 Jahre Pfadi Manegg

Die Abteilung Manegg feiert dieses Jahr ihren 100. Geburtstag. Sie ist die älteste noch bestehende Mädchenpfadi der Deutschschweiz. Zahlreiche Dokumente im Manegg-Archiv – Gruppenbücher, Protokolle, Fotoalben, Dias oder Zeitungsausschnitte – zeugen von 100 Jahren Frauenpower.

Hier ein paar Einblicke und Fundstücke:

Internationale Beziehungen spielten in der Mädchenpfadi stets eine wichtige Rolle. Dies lag nicht zuletzt an Olave Baden Powell, der Frau von Bi-Pi, die mehrmals in die Schweiz reiste und auch die Manegg besuchte. Mit ihrer fröhlichen und herzlichen Art beeindruckte sie viele.

Teeparty mit Lady Bi-Pi (mit Hut) in der Kafega. Links im Bild Mops, die Abteilungsleiterin der Manegg, 1946
1949 bestaunte Lady Bi-Pi das neu errichtete Manegg-Huus in Hedingen.

Das erste Weltzentrum der Pfadfinderinnen, das Our Chalet in Adelboden, wurde 1932 eingeweiht. Lady Bi-Pi und viele Manegglerinnen waren dabei. Die Manegg blieb über Jahrzehnte eng verbunden mit dem Weltzentrum. Zahlreiche Leiterinnen verbrachten ihre Winterferien dort als Helferinnen und Skilehrerinnen.

In den 1950er-Jahren übernahm mit Gret Spetzler v/o Schnagg sogar eine Manegglerin die Leitung des Hauses.

20-Jahr-Feier des Our Chalet in Adelboden, 1952

Vom Einsatz der Manegg-Pfadis nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs berichtet dieser Artikel im Tages-Anzeiger vom 13. September 1939:

1940 nahmen rund 250 Manegglerinnen an einem viertägigen Samariterkurs des Territorial-Kommandos 6 teil. Im Kriegsfall sollten sie als spezielle Samariter-Einheit für den Sanitätsdienst eingesetzt werden

Besonders eindrücklich sind die zahlreichen sorgfältig gestalteten Gruppen- und Erinnerungsbücher. Als Beispiel seht ihr hier einen Bericht von Bärli über eine Aktivität des 6. Zuges im Jahr 1938.

Zum 50-Jahr-Jubiläum 1975 veranstaltete die Manegg eine grosse Chilbi auf der Landiwiese.

Das Korps Glockenhof schenkte der Abteilung eine Kuhglocke, überreicht von Korpsleiter Peter Stünzi v/o Riss. Dies ist in Fotografien und einem Zeitungsbericht belegt – die Glocke selber hat den Weg ins Archiv bisher nicht gefunden

Zweimal zierten Manegglerinnen in Uniform Titelseiten einer Zeitschrift: 1943 das Wochenblatt «La semaine de la femme»

und 1961 Ringiers «Blatt für Alle»:

Möchtest du mehr über die Geschichte der Manegg erfahren?

Zum Jubiläumsfest am 6. September 2025 erscheint ein Magazin mit vielen Abbildungen und unterhaltsamen Texten. Dieses kann für 10.- bestellt werden (Mail an archiv@manegg.ch oder über manegg.ch/100-jahre-pfadi-manegg).

Calma, Archivgruppe

Patriaheim Hüttikerberg (5): Auflösung Korps Patria

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Übertritte in den Hadlaub

Das Pfadikorps Patria hatte immer weniger Mitglieder und musste schliesslich 2004 aufgelöst werden. Die verbleibenden etwa 20 Mitglieder traten in die Abteilung Hadlaub im Gloggi ein. Im Gloggi-Archiv findet sich im Protokoll des Pfadistufenleiter- (PSL) Höcks folgende Notiz dazu:

Sehr grosses Geschenk an den Heimverein

Der APV Patria als Eigentümerin des Heimes entschloss sich dann, das Heim für den symbolischen Beitrag von einem Franken dem APV-Gloggi zu überlassen. Der Eintrag auf der Website des APV Patria sah 2005 folgendermassen aus:


(https://www.patria.ch/2005/06/26/patriaheim-an-gloggi-uebergeben/)


Finanzaktionen, Umbau, zufriedene Gesichter

Mit dem Duschenanbau war es nicht getan, im GP 2011 wurde über die nächste Umbauetappe berichtet:

Der Umbau musste etappiert werden und – wie der APV Patria auf seiner Website (von dort auch die Bilder) schreibt – war die Stimmung 2018 nach der Präsention der neu aufgeleisten Umbau- Etappen 1-4 nicht euphorisch. „Aber die „Salami-Taktik“ in Etappen ging auf.  Die Finanz-Aktionen liefen hervorragend und der Umbau und die Auffrischung des Bodens konnten bereits im Juni abgeschlossen werden.“

2019 sah man rundum zufriedene Gesichter, die Heimgotte Trasco und der Heimverein-Co-Präsident Telex wurden herzlich verdankt.

Das Patriaheim zeigte sich auch noch 2025 an der GV von APV Gloggi und Heimverein in bester Verfassung und freut sich auf weitere Nutzerinnen und Nutzer. Reservation beim Heimverein Glockenhof.

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Patriaheim Hüttikerberg (4): Auch vom Gloggi gerne genutzt

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Das Heim wurde, wie die im Sozialarchiv noch vorhandenen Hüttenbücher zeigen, sehr gut genutzt, natürlich von der Patria – aber auch der Gloggi und die damals nicht zum Gloggi gehörende Abteilung Manegg waren eifriger Nutzer, wie die folgenden Einträge zeigen:

Hüttenbuch 1952 – 1956

Hüttenbuch 1956 – 1964:

Hüttenbuch 1969 – 1974

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Patriaheim Hüttikerberg (3): „Bubenhände bauen ein Haus“

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Über 3500 Arbeitsstunden wurden von Pfadi, Eltern, APV geleistet. Nur was man beim besten Willen nicht selbst machen konnte, wurde befreundeten Baufirmen übergeben – die trotz Freundschaftspreisen benötigten 22’000 Franken wurden zu einem rechten Teil von den Pfadi erarbeitet. Sie betätigten sich als Ausläufer, in Schiessständen als Warner und Zeiger und arbeiteteten als Forstgehilfen beim stadtzürcherischen Forstamt. Die restlichen Finanzen stammten dann aus Spenden von Ehemaligen und Eltern.

Wie die folgenden Ausschnitte aus Zeitschriften zeigen, war der Heimbau ein Gemeinschaftswerk der ganzen Abteilung:

Ausschnitte aus Illustrierten (ohne Quellenangabe, Sozialarchiv Ar 664.429 und 430)

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Patriaheim Hüttikerberg (2): Weitere Abspaltungen, Gründung Stadtkorps

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Der Aderlass im Gloggi ging aber weiter. Nachdem die Patria die Abteilung Glockenhof verlassen hatte, spalteten sich (für viele besonders schmerzhaft, weil unter der Leitung des Gründers der Pfadi Gloggi Emil Dändliker) die Abteilung Libertas und danach die Abteilung Winkelried vom Gloggi ab:

Die nicht mehr zur Abteilung Glockenhof gehörenden Abteilungen bildeten nun das Stadtkorps, das ein Gegengewicht zum Gloggi darstellte.

Das stärkste Mitglied des Stadtkorps blieb die Patria, weshalb das Stadtkorps 1940 dann auch wieder auf den Namen „Patria“ umgetauft wurde.

Die Beziehungen zwischen Patria und Gloggi waren damals längst wieder freundschaftlich geworden, im GP wurde, wie hier 1943, auch über die Patria berichtet – es gehe der Abteilung gut:

Interessant, dass die Patria keine Wölfe hatte, vom Dschungelbuch wollte man nichts wissen, sondern „Knappen“.

Die Patria gedieh weiter, die Hütte am Horgenerweiher hatte man abreissen müssen und es entstand der Wunsch nach einem eigenen Heim:

Man wurde am Hüttikerberg fündig – ganz einfach war es aber nicht, dort ein Heim zu bauen, es mussten Finanzen aufgetrieben, Landstücke abgetauscht, Durchleitungsrechte gesichert und Baupläne gezeichnet werden. Am 7. August 1950 war es dann so weit: der Hüttiker Gemeinderat bewilligte das Baugesuch.

(Sozialarchiv Ar 664.429 und 430)

Jetzt ging es erst recht los. Die Patria wollte das Haus von Grund auf selbst bauen und das gelang ihr auch.

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Patriaheim Hüttikerberg (1): Abspaltung Patria vom Gloggi

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Die Generalversammlung von APV und Heimverein Glockenhof hat 2025 im Patriaheim Hüttikerberg stattgefunden. Ein Grund, etwas auf die Geschichte der Pfadi Patria und die Geschichte des Patriaheimes zurückzuschauen.

1915: Patria entsteht durch Abtrennung vom Gloggi

Der Gloggi-Stammbaum zeigt, wie 1915 die Patria aus dem Gloggi ausschied und eine eigene Abteilung gründete.

Im Protokollbuch von 1915 findet sich folgender Eintrag:

„Wieder hat eine Gruppe von Führern (…) mit einer Anzahl von Pfadfindern unsere Abteilung verlassen & sich zu einer neuen Organisation, der Patria zusammengetan. Der Wunsch nach einer strafferen, mehr nach militärischen Grundsätzen geleiteten Organisation, Differenzen persönlicher Natur & wohl auch der Drang nach grösserer Unabhängigkeit führte die Unzufriedenen zusammen. Ob sie unter Instruction von Offizieren (die Leitung wollen sie selbst in der Halt behalten) nun ihr Ideal besser erreichen, mag die Zukunft zeigen.“ (Protokollbuch Pfadfindercommission 1915)

Wie stark militärische Grundsätze in die Pfadibewegung Einfluss haben sollten, gab in der Zeit des ersten Weltkrieges naturgemäss viel zu reden. Im Gloggi berief man sich stärker auf christliche Grundsätze, während es für die Patria wichtig war, militärischen Grundsätzen zu folgen. Hier eine „Inspektion“ aus dem Jahre 1917. Oberstdivisionär Steinbruch, Oberst Wille (der Sohn des Generals) und Prof. Brockmann vom Kantonalverband inspizieren eine Pfadigruppe.

In den ersten Jahren nach der Abtrennung hatten Patria und Gloggi das Heu auch aus anderen Gründen nicht auf der gleichen Bühne. Im Protokollbuch der Pfadfindercommission des Gloggi findet sich folgender Eintrag:

„Am Spielnachmittag unserer Abteilung am 25. April waren einige Mitglieder der Patria als Gäste anwesend. Sie missbrauchten, wie Herr Pfr. Keller in Ueberinstimmung mit anderen Berichten mitteilt, das ihnen gewordene Gastrecht dazu, unter unseren Pfadfindern für ihre Abteilung zu werben. Gegen dieses unfeine Gebahren soll bei der Patria energisch protestiert werden mit der Androhung, im Wiederholungsfall die Angelegenheit vor den Kantonalvorstand zu bringen.“

Es scheint aber keinen Wiederholungsfall gegeben zu haben, beide Abteilungen hatten in jener Zeit eher zu viele neue Mitglieder. Und beide Abteilungen machten sich daran, sich eine Pfadihütte zu bauen. Die Patria begann schon 1915, sich am Horgenerweiher eine Hütte zu bauen, für den Gloggi entstand auf dem Restiberg neben dem CVJM-Heim eine Pfadfinderhütte, 1917/18 folgte das „Eigewärch“ auf der Entlisbergwiese in Zürich.

Der Horgenerweiher damals (Bild: Museum Sust Horgen).

Ein Patria-Pfadi, der damals dabei war, erinnerte sich 35 Jahre später folgendermassen:

(Sozialarchiv Ar 664.429)

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Spezialitäten

Im Gloggi-Laden und bei hajk gibt es auch runde und langgezogene Abzeichen zu kaufen: «Spezialitäten-Abzeichen» der Wolfs- und Pfadistufe. Auch im Archiv haben wir viele solche «Spez»-Abzeichen.  Welche Geschichte haben sie?

Für den Gründer der Pfadibewegung, Baden-Powell (Bi-Pi) war klar: Nicht alle Pfadi müssen das Gleiche können. Alle haben doch etwas, das sie besonders gut können und besonders gern machen – eben ihre Spezialitäten. Und gerade in diesen Gebieten sollen sie Fortschritte machen, Neues dazu lernen und es so anwenden, dass die ganze Gruppe davon profitiert. Schon zu Bi-Pis Zeiten erhielt man für Fortschritte auf einem Spezialgebiet als Anerkennung ein Spezialitäten-Abzeichen.

Bi-Pi hat das in seinem Buch „Aids to Scoutmastership“ für Leiterinnen und Leiter beschrieben. Wir haben im Archiv eine englische Version (Auszug, englisch als PDF).

Weil Bi-Pi selbst besonders gerne schauspielerte, zeichnete er in seinen Hinweisen für Leitende eine Gruppe beim Singen und Theaterspielen. Wer hier besondere Fortschritte machte, solle z.B. das Spezialitäten-Abzeichen «Schauspieler», «Schauspielerin» bekommen.

Auch in seinen Büchern für Wölfe und Pfadi hat Bi-Pi die Spezialitäten dargestellt. Die Abzeichen für die Wölfe sahen 1936 so aus:

1. Gruppe, Intelligenz (blaue Abzeichen): Sammler, Beobachter, Gärtner
2. Gruppe, Handfertigkeit (gelbe Abzeichen): Künstler, Handarbeit, Spielzeugmacher
3. Gruppe, Hilfe für andere (rote Abzeichen): Samariter, Fremdenführer, Haushaltung
4. Gruppe, Körperliche Gesundheit (grüne Abzeichen): Athlet, Schwimmer, Spieler)

Schon die ersten Abzeichen waren in unterschiedlichen Farben gehalten. Wer sich in einer Spezialität auszeichnete, die für die Beziehung zu den Mitmenschen wichtig war, erhielt ein rotes Abzeichen (bzw. ein Abzeichen mit einem roten Rand), Spezialitäten die körperliche Aktivitäten betrafen, waren grün usw. – Weit von den heutigen „fünf Beziehungen“ im Pfadiprofil (Beziehung zur Persönlichkeit, zum Körper, zu den Mitmenschen, zur Umwelt, zum Spirituellen) war man schon damals nicht entfernt.

Die Spezialitäten für die jüngeren Mädchen (in der Schweiz wurden sie zuerst Heinzelmännchen, erst dann Bienli genannt) waren sehr ähnlich wie diejenigen der Wölfe. Zwischen Pfadfindern und Pfadfinderinnen unterschieden sie sich stärker, bei den Pfadfinderinnen waren auch viele damals als typisch weibliche angesehene Spezialitäten dabei. Hier ein Ausschnitt:

Diese Illustration stammt vom Schweizerischen Pfadiarchiv. Es hat die Spezialabzeichen der Pfadistufe von 1919 bis 2024 schön zusammengestellt (PDF).

Die Abzeichen selbst und ihre Anzahl veränderten sich im Laufe der Zeit aber erheblich. Hier z.B. das Schauspielabzeichen:

1923 (Mädchen), 1956 (Knaben), 1990 und 2004 (PBS)

Im Gloggi achtete man darauf, dass jemand nicht zu viele Spezialitäten-Abzeichen erwarb, vier oder fünf waren die obere Grenze. Wer mehr Abzeichen am Ärmel hatte, wurde etwas abschätzig «Christbaum» genannt. In anderen Ländern war das anders. An Jamborees und anderen internationalen Treffen wunderten sich manchmal Pfadis aus anderen Ländern über den mangelnden Ehrgeiz in der Schweiz. In vielen anderen Pfadiorganisationen hatte (und hat) man ja das Ziel, möglichst viele Spezialitätenabzeichen zu erwerben und an den Ärmel zu nähen.

GP 1956 über ein Lagerfeuer mit holländischen Pfadfindern. Die Thebaner wundern sich darüber, dass ein Holländer neunzehn Spezialabzeichen erworben hatte.

Im Gloggi bestimmte meist die Abteilungsleitung, in welchen Gebieten Wölfe und Pfadi sich überhaupt spezialisieren konnten. Dann wurden Höcks und Weekends organisiert, an denen man sich die nötigen Fähigkeiten erwerben konnte. 1951 skizzierte die GP-Redaktion welche Spezialitäten beliebt waren:

Die Pfadis, die sich als Topograph spezialisierten, lernten unter anderem den Verlauf eines Baches zu vermessen und davon eine Karte im Massstab 1:1000 und ein Kroki zu erstellen. Offenbar vergassen sich die Pfadi beim Vermessen einmal so, dass sie in Wallisellen in einen frisch angesäten Acker trampelten und dem Bauer zwei Franken für den Landschaden bezahlen mussten.

Häufig standen auch in Sommerlagern Spezialitäten im Zentrum. 1962 nahm sich der Wiking vor, Wetterwarte und Pioniere auszubilden. Im GP wird berichtet:

Um das Kochspezialitätenabzeichen zu erhalten war oft das Mitwirken in der Kochgruppe eines Ausbildungslagers nötig, und das «Reporter»-Abzeichen erhielt selbstverständlich nur, wer Reportagen für den GP gemacht hatte.

Die Möglichkeit, sich in einer Spezialität weiterzuentwickeln und diese anzuwenden, wurde in all den Jahren mal mehr, mal weniger genutzt. Am stärksten im Vordergrund standen Spezialitäten wohl im Relais-Lager, das der (Knaben-)Pfadiund 1954 im Greyerzerland durchführte.

wurde damals in der Presse berichtet. Hier der Bericht im Bieler Tagblatt (28. Juli 1954):

Jeder angemeldete Stamm hatte einen eigenen Lagerplatz. Von dort aus konnten die Pfadi dann in Interessengruppen mehrere Tage an verschiedenen «Relais» teilnehmen. Das waren Posten im Lagergebiet, an denen sie in grossem Stil in eine Spezialität eingeführt wurden. Die Pioniere fällten mit den Förstern Bäume, bauten daraus Türme und Zugbrücken und schnitzten Totempfähle. Im Relais «Darstellungskunst» wurden Theater und Musicals eingeübt, man konnte sich vertiefen in die Spezialitäten Schauspieler, Lagermusikant, Tätschmeister, Maler, Fotograf, Dolmetscher, Chronist, Schnitzler, Bastler, Koch und Dolmetscher.

Im Relais «Mechanik» lernte man Löten und Schweissen ganze Autos und Vespas wurden zerlegt und Wasserturbinen gebaut (Presseartikel und Lagerbuch Teja).

Über das Relais „Meldedienst“ berichtet folgender Eintrag im Teja-Lagerbuch von 1954:

Am Abend kehrten die Pfadi jeweils an den Lagerplatz ihres Stammes zurück und erzählten sich am Lagerfeuer vom tagsüber Gelernten.

Die Spezialitäten sind in Ergänzung zu den verschiedenen Etappen oder Steps in der Pfadibewegung auch heute noch wichtige Schritte zur persönlichen Entwicklung. Sie werden bei den Pfadiprofilen auf der Website der PBS bei den Wölfen wie den Pfadis dargestellt. Hoffen wir, dass sie auch in Zukunft weiterentwickelt und angewendet werden.

Das Buch „Gloggi-Pfaditechnik“ – eine über 80-jährige Erfolgsgeschichte

Titelbilder der Pfaditechnik 1. bis 3. Auflage

Angefangen hat alles im Jahre 1938 mit den «Instruktionsbögen für die Pfadfinderabteilung Glockenhof». Über die Redaktoren dieser ersten Pfaditechnik ist nichts bekannt, da noch kein Impressum oder Vorwort verfasst wurde. Einzelne Teile dieser Pfaditechnik erschienen als Artikel im Goldenen Pfeil und wurden in geänderter Form zusammengefasst.

Die zweite Auflage aus dem Jahre 1945 trägt den Titel «Pfadertechnik in Wort und Bild». Als Verfasser fungiert die Rovergruppe Ren des Stammes Totila. Das Redaktionsteams bestand aus Po und Osi.

1949 publizierte der Ausbildungschef Thomas Brunner v/o Filo mit Illustrationen von Th. Hügi die dritte Auflage im A4 Format unter dem Namen «Pfadfindertechnik». Dieses 112 Seiten umfassende Buch wurde als Ausbildungsheft durch den «Schweizerischen Pfadfinderbund» herausgegeben. Der Name «Glockenhof» ist bis zur 6. Auflage im Buch nicht mehr zu finden. Thomas Brunner ist es sicherlich zu verdanken, dass die Pfaditechnik zum Standardwerk der Deutschschweizer Pfadi wurde und bis heute teilweise auch noch ist. Thomas Brunner verstarb leider viel zu früh im Jahre 1952 bei einem Eisenbahnunglück, so dass er den Erfolg seines Werkes nicht mehr weiterverfolgen konnte.

Nach 10’000 verkauften Exemplaren erscheint im Jahre 1958 die Pfaditechnik erstmals als gebundenes Buch im A5 Format. Der Abteilungsleiter Ernst Attinger v/o Ätti schreibt dazu im Vorwort:

„Mancher Führer wird der neuen Auflage kritisch begegnen und vielleicht in ihrer Gestaltung eine amerikanisierende Tendenz feststellen. Unsere Pfadfindertechnik wurde aber von aktiven Führern bearbeitet, die den Stoff so begrenzen, dass er von guten Pfadfindern beherrscht werden kann.

Das war sicherlich ein weiteres Erfolgsrezept. Entstanden doch sämtliche späteren Auflagen immer unter reger Teilnahme von älteren Leitenden deren aktive Pfadizeit noch nicht allzu lange zurücklag.

Titelbilder der Pfaditechnik 7. bis 19. Auflage

Inhaltlich waren in allen Auflagen die klassischen Pfaditechnik Themen wie Kartenlesen, Blachenkunde, Lagerbau, Samariter, Seilkunde, Morsen und Krokieren präsent, während die Themen Natur und Umwelt sowie Sternkunden in den 70er und 80er Jahren aus der Pfaditechnik verschwanden, jedoch ab den 90er Jahren wieder ein Comeback feierten und bis heute ein fester Bestandteil des Buches sind. Hier muss man fairerweise festhalten, dass das Redaktionsteam der 8. Auflage Ende der 70er Jahre Pläne hatte, ein separates Buch zu diesen Themen zu veröffentlichen.

Titelbild Kapitel «erste Hilfe» sowie Einführung ins Kapitel Seil aus der 7. Auflage 1958

Bis zur 8. Auflage war auch Bürgerkunde und Schweizer Geschichte Bestandteil der Pfaditechnik. Bewusst verzichtet wurde bis zur 13. Auflage im Jahre 2002 auf ein Kapitel zur Pfadi Allgemein. Dieses wurde dannzumal in kurzer Form integriert, um die Grundlagen unserer Bewegung gebührend zu würdigen.

Der Fokus lag immer auf den Themen, welche in oder für die Vorbereitung von Nachmittagen, Weekends und Lagern den Pfadis von grossem Nutzen waren.

Die Illustrationen wurden wie die Texte von aktiven und ehemaligen Leitern erstellt. Einige Illustrationen wurden über verschiedene Auflagen weiter entwickelt und auf die neusten Erkenntnisse angepasst.

Der Jochsteg aus der 2. Auflage (1945) und 14. Auflage (2002)

Auch die Tierspuren und Illustrationen sind seit dem Jahre 1958 in ähnlicher Form Bestandteil der Pfaditechnik.

Spuren des Hasen aus der 7. Auflage (1958) und 19. Auflage (2024)

In den früheren Auflagen wurden einige Kapitel ausführlicher behandelt. So gab es in der 2. Auflage von 1945 auch eine Anleitung und Skizzen zum Bau von Stühlen oder eines Sprungbrettes.

In den Lagern ist man immer darauf bedacht, nur so viel Technik wie nötig mitzunehmen resp. aufzubauen. Trotzdem gab es in der Pfaditechnik von 1978 eine Anleitung zur Stromproduktion im Lager. Die Redaktoren wiesen darauf hin, dass solche Bauten eine Ausnahme sein sollten und nur errichtet werden sollten, wenn dies thematisch ins Lager passt.

Ende Oktober war es nun soweit. Die 19. Auflage der neuen Pfaditechnik erschien. Die Inhalte wurden komplett überarbeitet. Unter anderem wurde das Kapitel Seil auf die aktuellsten Sicherheitsbestimmungen angepasst und sämtliche Illustrationen entsprechend angepasst.

Dank dem grossen Einsatz von aktiven und ehemaligen Leitenden des Gloggis aber auch von Pfadis ausserhalb konnte dieses Werk wieder realisiert werden.

Die neue Pfaditechnik ist ab Ende Oktober bei Hajk Scout & Sport oder direkt im Sekretariat des Gloggis oder dem Cevi Laden an der Sihlstr. 33 in Zürich erhältlich.